Herberge

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Kirche

Herzlich willkommen in unserer katholischen Pfarrkirche, die sich als "Herberge" versteht,was schon die schlichten Materialien verdeutlichen: Holz, Kalk, Feldsteine, Ton, Klinker.

Sie predigt in ihren Bildwerken:

Gott beherbergt uns - sein Volk - und wir beherbergen ihn.

Gegenüber dem Eingang hängt das Bild einer Flüchtlingsfamilie, die in einer Scheune Herberge findet.

Es ist die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten. Maria bringt ihr Kind in Sicherheit. Joseph - der Patron unserer Gemeinde - tut wachsam und umsichtig, was er als notwendig erkennt. Unter bescheidensten Verhältnissen erfüllen Maria und Joseph ihre Aufgabe, diesem geheimnisvollen Kind Lebensraum zu geben.

Viele Familien unserer Gemeinde kamen in den Kriegsjahren als Flüchtlinge in unser Gebiet und fanden hier Herberge. Auch heute flüchten Menschen vor Verfolgung und Verelendung, manche auch vor sich selbst, vor der Wahrheit, vor notwendigen Konsequenzen. Sie alle können hier Herberge finden.

Im Altarraum dominiert der Gekreuzigte. Er verströmt sich für die erlösungsbedürftige Menschheit. Hände und Füße wie auch seine Seite sind durchbohrt. Seine Linke zeigt in ihrer Verkrampfung die unsagbare Anstrengung seiner Hingabe, seine Rechte aber öffnet sich wie zu einer Segensgeste. Von seinem Gesicht strömen Ruhe und Frieden aus.

Er bietet mit ausgebreiteten Armen "Herberge", wie sie kein anderer schenken kann:

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.
Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin (Joh 14,2f).

Die Bilderreihe unter der Empore zeigt seinen mühsamen Kreuzweg, an dem jeder von uns in irgend einer Weise beteiligt ist. (Den kompletten Kreuzweg finden Sie unter Herberge -> Kreuzweg)

Auf dem Bild neben dem Kreuz erkennen wir die Emmaus-Jünger, die den rätselhaften Unbekannten in ihre Mitte genommen haben. Sie hören staunend seine Ausführungen über die Ereignisse in Jerusalem. Der Jüngere lauscht mit niedergeschlagenen Augen, dem Älteren gehen die Augen gleichsam über. Der auferstandene Jesus in der Mitte aber "blickt durch". Die Jünger laden ihn in die Herberge ein und erkennen ihn bald als den Auferstandenen, der sie beherbergt, indem er ihnen das Brot bricht (s. Lk 24,13-35).

 

Die beiden Holzreliefs an der Emporebrüstung erzählen, wie Gott sein Volk versorgt und beherbergt - sogar in der Wüste.

Da zogen die Männer herauf und erkundeten das Land. Sie kamen in das Traubental. Dort schnitten sie eine Rebe mit einer Weintraube ab und trugen sie zu zweit auf einer Stange (Num 13,21; 23).

Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Moses zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt. Das ordnet der Herr an: Sammelt davon so viel, wie jeder zu essen braucht, ein Gomer je Kopf. Jeder darf so viel Gomer holen, wie Personen im Zelt sind. Die Israeliten taten es und sammelten ein, der eine viel, der andere wenig (Ex 16,14-17).

Schon im Alten Bund sind Brot und Wein Zeichen für den schenkenden Gott.
Jesus dienen diese Gaben als Zeichen seiner Hingabe beim letzten Abendmahl.
Seinem Auftrag gemäß feiern wir in unseren Gottesdiensten immer wieder sein Abendmahl und bewahren das übrig gebliebene Abendmahlsbrot, das für uns Christus leibhaftig ist, im Tabernakel auf - rechts unter dem Kreuz. Die Bemalung dieses Tabernakels zeigt Brot und Wein als Feldfrüchte. Noch müssen die Weinbeeren gesammelt und ausgepresst werden, damit Wein entstehen kann, und die Weizenkörner müssen zermahlen, als Teig geknetet und schließlich gebacken werden, um Brot zu werden. Das ist das Programm für alle christlichen Gemeinden, die aus der Hingabe Jesu leben; auch sie sollen zu Brot werden für den vielfältigen Hunger unserer Welt. Wie wir uns von Jesus Christus angenommen, genährt und beherbergt wissen, sollen und wollen auch wir andere annehmen, nähren und beherbergen.

Der Altar ist nun unsere Antwort für diesen großzügigen Gott. Unsere Gemeindeglieder haben Feldsteine für diesen Altar gesammelt gemäß dem Apostelwort:

Wir wollen mit diesem Altar Christus Herberge bieten, bei dem wir uns immer geborgen wissen.

Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen (1 Petr 2,5).

Das rechte Fenster

Die Klarheit des Lichtes durchdringt alles; die tastenden Menschenhände versuchen die Fülle des Heils zu erfassen, die Gott im Neuen Bund schenkt. Er will endgültig Herberge für uns sein, die er seine Gläubigen in vielen Zeichen erkennen lässt:

Links schauen wir auf einen Tisch, auf dem fünf Brote und zwei Fische bereit liegen, die durch den Segen Jesu fünftausend Menschen sättigen (s. Joh 6,1-13).

Das reichlich gefüllte Fischnetz (links oben)
erzählt ebenfalls von dem großzügig schenkenden Gott in Jesus Christus (s. Lk 5,4-7).

Unten sehen wir den König, der die Armen, die Krüppel und Blinden zum Hochzeitsmahl einlädt,
da die "Erstgeladenen" keine Zeit haben und nicht kommen (s. Lk 14,16-24).
Diese Szene wird eingerahmt (links) von einem großen Licht, das für uns Jesus Christus ist.

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt (Joh 1,9).
Dieses Licht muss weiter getragen werden durch uns – seine Jünger:
Ihr seid das Licht der Welt.
Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14)

- die über dem großen Licht angedeutet ist.

Den Rahmen rechts bildet eine Säule mit einer zerrissenen Kette. Denn:
Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem
das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal 5,1)

Wir alle sind doch von der Knechtschaft der Sünde befreit, indem einer für uns zum Knecht wurde und sogar den Tod auf sich nahm:

Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich, er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen (Phil 2,6-9).

Von dieser schenkenden Fülle Gottes, die bis zu seiner Selbsthingabe reicht, erzählt auch der Weinstock (rechts), der hier von Vögeln "geplündert" wird, aber seine reichlichen Früchte weiterhin darbietet.

In der Mitte der Fensterdarstellung öffnet Christus das Tor.
Die Botschaft des erhöhten Christus an die Gemeinde in Philadelphia lautet:

Ich kenne deine Werke und ich habe dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann (Offb 3,8).

Dieses Tor wäre der Eingang in die letzte, endgültige Herberge - das himmlische Jerusalem – für uns geöffnet, denn Christus betet:

Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast (Joh 17,24).

Das Zentrum und der Gipfelpunkt dieser vollkommenen Herberge, zu dem das geöffnete Tor führt,
ist das Lamm Gottes – ganz oben.

Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm (Offb 21,23).

Der Täufer Johannes sagte, als er Jesus auf sich zukommen sah:

Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh 1,29).

Dieser Christus - das Gotteslamm, - empfängt das mit sieben Siegeln verschlossene Buch aus der Hand Gottes, das nur er öffnen kann, und die himmlische Versammlung bestätigt singend:

Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen;
denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen (Offb 5,9).

Dieses Lamm Gottes kann dieses Buch öffnen und offenbart somit den Ratschluss Gottes
und das Ziel der Geschichte: Das Heil für die gesamte Menschheit.

Das linke Fenster

Es illustriert, wie der Mensch Gott und wie Gott die Menschen im Alten Bund beherbergt.
In der oberen Mitte unter den Gesetztafeln sehen wir, wie Abraham (rechts) die drei Wanderer bewirtet und auf ihre Worte hört (s. Gen 18,1-15), denn er erkennt in ihnen Gott. Abraham ist der erste Mensch, der Gott beherbergt, was ihm und allen seinen Nachkommen zum Heil gereicht. .
Links erkennen wir den brennenden Dornbusch verbunden mit der Wolkensäule, die bis zum Himmel ragt. Aus diesem Feuer spricht Gott zu Moses und beruft ihn zum Führer des Gottesvolkes, denn Gott will sein Volk Israel zu einem freien Volk in einem eigenen Land machen:

Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! (Ex 3,7-10)

Das Feuer formiert sich in dieser Darstellung schon zur Feuersäule bzw Wolkensäule, in der Gott vor Israel her zieht (s. Ex 13,21). Moses (unten) steht zur Verfügung. Er hat seine Schuhe abgelegt, da er heiligen Boden betritt; daneben liegt schon der Wanderstab bereit für die neuen Wege, die er nun mit Gott gehen wird. Er kniet vor dem brennenden Dornbusch und hört Gottes Wort (s. Ex 3,4).

In der unteren Bildmitte zieht das Gottesvolk durch die Wüste. Es drängt sich um die Bundeslade - das Zeichen des anwesenden Gottes bei seinem Volk, denn Gott "beherbergt" sein Volk auch in der Wüste.
Davon erzählt auch das Wasser aus dem Felsen (rechts), das Gott sogar dem murrenden Volk gibt, denn er steht zu seinem Wort.

Weil das Volk kein Wasser zu trinken hatte, geriet es mit Mose in Streit und sagte: Gebt uns Wasser zu trinken! Moses aber antwortete: Was streitet ihr mit mir? Warum stellt ihr den Herrn auf die Probe? Das Volk dürstete dort nach Wasser und murrte gegen Moses.
Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? Moses schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. Der Herr antwortete Moses: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Moses vor den Augen der Ältesten Israels. Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht? (Ex 17,1-7)

Über all diesen Begegnungen zwischen Gott und den Menschen erscheinen die Hände Gottes unter dem Regenbogen - dem Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen (s. Gen 9,13); die Rechte öffnet sich schenkend den Menschen, die Linke hält die Gesetzestafeln und weist mahnend auf die Gebote, denn nur der gehorchende Mensch kann die Geschenke Gottes fassen. Durch die Gebote Gottes kann unsere Welt zu einer wahrhaft menschlichen Herberge werden, in der jeder seinen Platz finden und sich entfalten kann für die ewige Herberge, die Gott für alle Menschen bereit hält. Doch davon spricht das andere Fenster.

Neben den Gesetzestafeln links erscheint in hebräischer Schrift der Gottesname Jahwe - "Ich bin da". Diesen Gott hat Israel erfahren - einen Gott, der wirkmächtig bei seinem Volk ist.
Der Stern (rechts) erinnert an die Weissagung Bileams:

Ein Stern geht auf in Jakob, ein Zepter erhebt sich in Israel (Num 24,17).

Dieses Volk ist von Gott berufen, ein Zeichen zu sein für alle Menschen, was schließlich in Jesus Christus, dem Nachkomme Abrahams, am deutlichsten gelingen konnte.

Alle diese Stationen der Begegnung des Menschen mit Gott sind zusammen gefasst von der Wolke, die in vielen biblischen Texten das Symbol der wirkmächtigen Gegenwart Gottes ist.

Das Sgraffito

der Außenfassade zeigt das Gesicht des leidenden Christus in einem schwungvollen Kreuz: Er leidet an seiner Kirche, steht aber zu ihr.

Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut (Eph 2,20-22).

Links unter dem Kreuz erinnert uns der barmherzige Samariter (s. Lk 10,30-55) und rechts der gütige Vater, der den verlorengegangenen Sohn in die Arme schließt (s. Lk 15,11-32) an die Methoden Jesu, mit denen wir in die Welt gesandt sind. Gleichzeitig ist diese Fassadengestaltung eine Einladung an alle, denen Barmherzigkeit und Vergebung etwas bedeuten.

 

 

 

 

Baudaten der Kirche

Erster Spatenstich: 12. Juni 1988
Kirchweihe: 15. Juni 1991
Bauherr: Bistum Dresden-Meißen
für den Kircheninnenraum: St.-Joseph-Gemeinde Netzschkau vertreten durch Pfarrer J. Scholz
Bau-Durchführung  
Organisation: Ordinariatsrat Günter Schwarz, Dresden
Projektierung: Architekt Hubert Paul, Flöha
Bauarbeiten: Hochbau Netzschkau GmbH
Künstlerische Gestaltung  
Innengestaltung, Malereien, Grafiken,
Fenster, Fassadengestaltung (Sgraffito):
Wolfram Hänsch, Meißen
Keramikarbeiten: Hildegund Sell, Meißen
Holzreliefs: Lothar Sell, Meißen
Altarplatte, Ambo, Leuchter,
Altarraumgestühl, Kirchengestüh:
Konrad Mauersberger, Meißen
Glasarbeiten: Reinhard Meissner, Coswig
Finanzierung: Bonifatius-Werk
Bistum Dresden-Meißen
Netzschkauer Pfarrgemeinde